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11. September 2026

Auslandspraktikum in Cork (Irland) – Viktor Urich

Als angehender Fachinformatiker für Systemintegration war ich sehr gespannt auf mein siebenwöchiges Praktikum in Cork. Nicht zuletzt, weil Irland Europas Tech-Hochburg ist. Firmen wie Google, Apple, Meta und Microsoft haben dort ihre Europazentralen und bilden quasi das Silicon Valley Europas.

Zehn Tage vor Abflug erfuhr ich dann, wo ich die nächsten Wochen arbeiten durfte: ein Reparaturshop im Herzen von Cork City, der sich auf Elektrogeräte spezialisiert hat.

Nachdem die Anreise nach Cork weitestgehend problemlos verlaufen war, durfte ich mich direkt mit dem Bussystem der Stadt vertraut machen, da mein Taxi nicht kam. Die meisten Busstationen hier haben allerdings keinen Namen und oft auch keinen Fahrplan, weshalb man als Fremder permanent auf Navigationsapps oder die Hilfe anderer angewiesen ist. Wie ich später auch erfahren durfte, halten die Busse auch nur an, wenn man ihnen zuwinkt und somit signalisiert, dass man mitgenommen werden möchte.

Dieses erste kleine Abenteuer im Land des Linksverkehrs hat mich dann doch verzweifeln lassen, und ich habe mich per Uber zu meiner Unterkunft bringen lassen. In dem Studentenwohnheim hatte ich mein eigenes kleines Zimmer samt Bad sowie ein geteiltes Wohnzimmer und eine Küche.

Dort traf ich dann auch meinen einzigen Mitbewohner an, der Tänzer war und aus Cork kam. Er war die meiste Zeit unterwegs, weshalb wir uns in den sieben Wochen nur eine Handvoll Mal sahen. Der Rest des Wohnheims war von Schülern und Studenten bewohnt, die ebenfalls Auslandspraktika absolvierten. Über eine WhatsApp-Gruppe haben wir uns manchmal zum Fußballschauen oder Ähnlichem getroffen.

An meinem ersten richtigen Tag in Irland habe ich meine Kontaktpersonen von Partnership International getroffen, die mir grundlegende Informationen gegeben und mich zu meinem Arbeitsplatz begleitet haben. Überraschenderweise wurde mir nach einer kurzen Begrüßung aber ein verlängertes Wochenende von meinem Chef vergönnt. Deshalb habe ich mir an meinem ersten Tag dann zunächst die Leap Card (Karte für Busguthaben) geholt und die Stadt erkundet.

Auf den ersten Blick wirkt Cork sehr groß, aber man findet sich relativ schnell zurecht, da das meiste in der Innenstadt angesiedelt ist. Drumherum sind die ganzen Wohnsiedlungen und Parks.

Nach dem ersten Erkundungswochenende, auf das ich später eingehen werde, kam dann auch der erste Arbeitstag. Der Kontrast vom Verkaufsbereich im Erdgeschoss zum Arbeitsbereich und Lager im Obergeschoss war enorm. Überall lagen Teile und Werkzeuge verteilt, nach einem System sortiert, das nur der Chef kannte. Aber das Genie wohnt bekanntermaßen im Chaos. 

Nach einer kurzen Vorstellung durfte ich dann zunächst beim Arbeiten zuschauen. Dafür hatte ich einen Bürostuhl, der aufgrund von Verschleiß in alle Richtungen kippte. Zwischendurch durfte ich Werkzeug anreichen. Wie ich im Laufe des Tages erfuhr, war auch ein zweiter Praktikant für fünf Wochen dort beschäftigt. Es tat sich dann ein kleines Problem bezüglich der Sitzgelegenheiten auf: In dem winzigen Büro oben gab es nur drei Stühle, wir waren aber ab 14 Uhr mittags immer zu viert in dem Raum. Aus diesem Grund durften der andere Praktikant und ich uns dann immer den Kippstuhl und eine kleine Trittleiter abwechselnd teilen, zumindest, solange die Trittleiter nicht verwendet wurde.

Der Chef war sehr gut im Feinlöten. Ich habe zu Beginn und irgendwann in der Mitte mein Interesse daran geäußert, dass ich es gerne lernen würde. Leider kam es bis zum Schluss nicht dazu. Meine Tätigkeiten bestanden zum größten Teil aus dem Anreichen von Werkzeug. Zwischendurch kamen Laptops mit Software-Problemen herein, die ich dann bearbeiten durfte, da ich durch meine Ausbildung das nötige Wissen besaß. Ansonsten kamen jeden Tag etwa drei PS5-Konsolen rein, die ich auf- und wieder zusammenschrauben durfte. 

Insgesamt war ich sehr überrascht über die Menge an Laufkundschaft, die jeden Tag kam. Teilweise wurden sehr alte Geräte abgegeben, wie etwa zwei iPods oder ein Klapphandy. In Deutschland bin ich es eher gewohnt, dass wir Dinge wegwerfen und neu kaufen. Nach meiner Beobachtung meinte der Chef spaßeshalber, dass sie in Irland noch den Planeten für uns retten würden.
Zwischendurch hatte ich auch Kundenkontakt. Die Menschen in Irland sind sehr offen und nett, auch wenn einige auf den ersten Blick nicht so wirken. Die kurzen Interaktionen haben mir aber viel Spaß gemacht und mir dabei geholfen, mein Englisch noch etwas zu festigen.

Unter der Woche war ich meist mit dem Haushalt beschäftigt oder habe gelesen. Am Wochenende habe ich dann aber meistens Cork und die Dörfer und Schlösser in der Umgebung erkundet. Gefühlt hatte jeder kleine Ort ein Schloss oder andere Spuren längst vergangener Tage. Das Erkunden hat mir dadurch enorm viel Spaß gemacht. Dank der guten Busverbindungen konnte ich die meisten Orte problemlos erreichen, trotz der teilweise erschwerten Navigation.

Meistens war ich allein unterwegs, was hervorragend funktioniert hat. Auch in den Pubs gab es immer gutes Essen. Während der WM war dort immer enorm viel los.

Insgesamt würde ich das Auslandspraktikum weiterempfehlen, auch wenn einige Dinge nicht ganz rund liefen oder ich sie mir anders vorgestellt hatte. Aber das macht ein Abenteuer wohl aus. Man lernt dadurch viel über sich selbst, andere Menschen und Kulturen. Solche Erfahrungen sammelt man selten, weshalb man sie nutzen sollte.

Cheers
Viktor

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